Probleme mit dem „Zentrum für politische Schönheit“ – Androhungen undemokratischer Gewalt

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Ich war gestern im Maxim Gorki Theater in Berlin im Salon des Zentrums für politische Schönheit. Den Salon gibt es gerade täglich anlässlich der Aktion „Flüchtlinge Fressen – Not und Spiele“ des Zentrums. Von Anfang an fand ich die Arbeit und Aktionen der Gruppe problematisch. Ich konnte aber nie den Finger darauf legen oder gut formulieren, wo das Problem genau liegt. Es gab nur ein tiefsitzendes Unwohlsein und eine starke Abneigung. Gestern aber war nun im Salon der brillante Joseph Vogl zu Gast. Der kann das bestimmt gut formulieren oder dabei helfen, dachte ich. Und er hat nicht enttäuscht. Ich gebe jetzt hier nicht Joseph Vogls Ideen wieder, sondern meine eigenen, die ich auf dem Heimweg, nachdem ich Joseph Vogl eine Weile zugehört habe, endlich greifen konnte.

Das Hauptproblem lässt sich direkt schon aus dem Namen beschreiben:  „Zentrum für politische Schönheit

Schönheit ist in der Hauptsache subjektiv. Man kann niemanden zwingen, etwas schön zu finden. Von Schönheit geht keine Gewalt aus.

Politik hingegen ist in einer demokratischen Kultur in der Hauptsache objektiv! Die Mehrheit entscheidet per Abstimmung. Was entschieden ist, wird in ‚Gewalt‘ umgesetzt. Ob ein einzelner diese Entscheidung gut oder gar schön findet, ist, abgesehen von seiner Stimme in der Wahl, irrelevant nach der Wahl.

„Politische Schönheit“ ist damit ein Widerspruch zur Demokratie („Objektive Subjektivität“).

„Politische Schönheit“ kann es geben in Diktaturen! Wo ein einzelner Mensch despotisch durchsetzt, was er oder sie persönlich und subjektiv schön findet und möchte.

Und tatsächlich ist eine Sehnsucht nach Diktatur und Despotismus in allen Werken und Äußerungen des Zentrums zu spüren. Eigentlich strahlt nichts stärker als das daraus hervor. Umsturz für die Schönheit, mit herbeitrompeteter aber nie untermauerter Macht-Durch-Massenmobilisierungs-Drohung. Gewalt. Es gibt sogar auch immer sehr starke Elemente oder gleich direkte Androhungen von Gewalt: Tiger fressen Flüchtlinge, Kopfgeld auf Waffenproduzenten aussetzen, mit toten Flüchtlingskörpern drohen …

Deshalb verpuffen diese Werke immer so und werden sofort irrelevant wenn ihre Lärmigkeit endlich aufhört. Sie sind einfach nicht dauerhaft anschlussfähig für eine demokratische Kultur. Und deshalb fühlen sich die allermeisten Intellektuellen damit auch so unwohl. In weniger demokratischen Kulturen – z.B. einigen von Despoten regierte Staaten in Afrika – wäre ihre Wirkung und Relevanz wahrscheinlich langfristiger.

Aber hier bei uns nerven diese Arbeiten nur mit ihrer Lärmigkeit und Medienwirkung, die überhaupt nicht interessant eingearbeitet wird. Und ich fühle mich von diesen Arbeiten bedroht. Ich will nicht in so einer Welt leben. Wo strampelnde schreiende Kleinkinder ihre simplen Lösungsideen durchboxen können.

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