Zwischen Maschinen, Laien & Experten: Open Design & Open Source Hardware als Interdisziplinaritäts- / Transdisziplinaritätsproblem VORTRAG

humboldt(–;de)

Ankündigung & Bericht

ANKÜNDIGUNG:

Auf Einladung hin werde ich nächste Woche am 28.02.2014 einen Vortrag halten an der Humboldt-Universität Berlin. Anlass ist ein Werkstatttag mit dem Titel: (Ver)Suchen, (Er)Proben: Forschungsmethoden und Wissensobjekte zwischen Wissenschaft und Kunst. Die Themen sind „Interdisziplinarität“ und „Transdisziplinarität“.

Der Vortrag wird Anlass und Ort entsprechend natürlich etwas akademischer sein aber dennoch konkret und interaktiv. Eine gute Möglichkeit meine Forschung über Open Source Hardware Dokumentation voranzutreiben.

VORTRAGSTITEL:

„Zwischen Maschinen, Laien & Experten: Open Design & Open Source Hardware als Interdisziplinaritäts-/Transdisziplinaritätsproblem“

KURZBESCHREIBUNG:

Stephanorrhina-guttataOpen Design/Open Source Hardware versprechen, dass hier viele verschiedenen Leute zusammenarbeiten und gemeinsam Dinge erschaffen können. Es gibt aber ein großes Gefälle – die Sprachen gehen auseinander: Ingenieure und Gestalter, Laien und Experten, Maschinen und Menschen müssten auf einer für alle gleichermaßen zugänglichen und interessanten Ebene miteinander sprechen können. Welche Informations- und Wissenstauschkultur entsteht hier?

Der Vortrag wird 14:00 Uhr stattfinden. Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten und kostenfrei. Um Anmeldung unter birgit.lettmann@hu-berlin.de wird gebeten (begrenzte Teilnehmerzahl).

Weitere Informationen zum Programm und ringsherum gibt es hier.

Bild: Stephanorrhina-guttata, by: H. Krisp, CC-BY 3.0

Update (BERICHT)

Der Werkstatttag war interessant und ergiebig. Zwei Sachen will ich hier festhalten.

#1 Vier Gründe für Open Source

Zum Auftakt des Tages hat uns Jens Peters einen Text von Julie Thompson Klein namens „A taxonomy of interdisciplinarity“ vorgestellt. Darin gibt es eine Passage, die vier Triebfedern für Interdisziplinarität aufzählt („ … four drivers of interdisciplinarity today“). Die finde ich deshalb interessant, weil sie sich genau so gut aufzählen lassen als Gründe für den Einsatz oder Effekte von Open Source, was die enge Beziehung von Interdisziplinarität und Open Source einmal mehr zeigt. Die Punkte sind:

(1)    the inherent complexity of nature and society,
(2)    the desire to explore problems and questions that are not confined to a single discipline,
(3)    the need to solve societal problems,
(4)    the power of new technologies,

Punkt (4) ist dabei gemeint sowohl als „um die Technologie nutzen zu können“ als auch „um die Technologie überhaupt erst zu ermöglichen“.

All diese Punkte können gute Ausgangspunkte sein für die Herleitungen der Möglichkeiten von Open Source die vor uns stehenden Aufgaben der Entwicklung einer ökologischen Ökonomie sowie der Aufrechterhaltung unserer Demokratie (mit) zu lösen.

#2 Open Source als Synthese

Stefan Meretz
Folie von Stefan Meretz

Für mich überraschend bin ich mit meinem Vortrag bei manchen Intellektuellen auf einigen Widerstand gestoßen. Kurz gesprochen wurde mein sehr dicht gehaltener Vortrag als Predigt eines Turbo-Neoliberalismus verstanden und dementsprechend kritisiert. Darauf war ich nicht ganz vorbereitet, aber es war interessant. Natürlich steckt Liberalismus drinnen, aber das ist doch nicht der Kern …

Auf dem Heimweg fiel mir dann ein möglicher Erklärungsansatz ein: Dialektik. Dialektik beschreibt das Spiel aus These, Antithese und Synthese. Eine Argument (These) kommt auf, ein Gegenargument gesellt sich dazu (Antithese) und aus dem Spiel geht eine Lösung hervor (Synthese), die beide Positionen vereint und umformt. Marx und Hegel haben das benutzt, um den Fortgang der Geschichte zu beschreiben (z.B.: Adel vs. Bürgertum wird zu Kapitalist vs. Proletarier usw.) Open Source kann man gegenwärtig als Synthese auffassen.

Natürlich steckt Neoliberalismus bzw. Kapitalismus dort darin – These – Open Source schafft effektivere Unternehmen. Aber zugleich stecken auch viele Dinge darin, die man gern als Gegenbewegung zum Kapitalismus sieht: Dezentralisierung, Selbstermächtigung aller, Umverteilung von Macht und Produktionsmitteln (in einer „Wissensgesellschaft“ nimmt die Bedeutung des Produktionsmittels „Wissen“ ständig zu) – Antithese. All diese Dinge sind zugleich in Open Source enthalten, aber keines steht über dem anderen, eher noch lösen sich diese Positionen darin auf, während sie zusammenfließen. Open Source als Synthese ist nicht auf seine These oder Antithese zu reduzieren.

Vielleicht heißt das ja, man kann mit Open Source die Leute da abholen, wo sie sind :-).

Update: Stefan Mertez hat es in seinem Elevate-Vortrag so ausgedrückt (Folie ist oben):

„Open Source hat ein Doppelgesicht
  • Open Source ist pro-kapitalistisch
  • Open Source ist commonistisch
  • Beides gilt gleichzeitig – diesen Widerspruch gilt es zu erfassen“

Auch wenn ich dem Vortrag in seinem weiteren Verlauf nicht unbedingt überall folge – Open Source scheint mir z.B. gerade interessant als Schlüssel zu einer ökologischen Ökonomie – ist die Markierung des Problems bzw. der Situation doch sehr gelungen. In Open Source fließt ein Widerspruch zusammen, löst sich auf.

 

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